Vorbereitung kann ganz nützlich sein …

Der dritte Tag im neuen Job startete auch nicht minder chaotisch wie die davor. Ich hatte mir angewöhnt immer um 8 Uhr im Büro zu sein und beim ankommen als erstes die Post beim Pförtner abzuholen. Zum einen zählte es zu meinen Aufgaben mich um die Post zu kümmern und zum anderen bin ich nur zwei Tage in der Woche im Büro gewesen und abgesehen von mir hat leider niemand sich die Mühe gemacht mal die Post zu holen. An diesem Tag war ich dann auch die ersten anderthalb Stunden alleine im Büro und habe mich um die Post gekümmert und mich nebenbei über Projektmanagementtools informiert, die wir eventuell in der Firma einsetzen könnten um die Projekte zu koordinieren. Nachdem dann aber der Geschäftsführer um 9:30 Uhr das Büro betrat erfuhr ich, dass um 10:30 Uhr zwei potentielle Geldgeber zu einer Besprechung zu uns ins Büro kommen sollte. Diesen sollte über den Stand der zwei schon laufenden Softwareprojekte informiert werden und über ein neues Projekt des Geschäftsführers informiert werden.

Als ich dann den Geschäftsführer fragte, ob wir denn ausgedruckte Unterlagen für die Präsentation hätten, damit die Geldgeber auch eine Dokumentation über die Projekte haben für die sie schon Geld gegeben haben brach leichte Panik aus. Natürlich war sowas nicht vorhanden, es gab aber immerhin schon PDF Dokumente, die wir allerdings im Büro nicht drucken konnten, da von den drei! Druckern die dort standen keiner mehr über einen Toner verfügten. Die Lösung des Problems war dann, das ich schnell zur Uni gefahren bin und den dortigen Copy-Shop genutzt habe. Die Unterlagen sahen zwar auch nicht wirklich gut aus, aber es war besser als nichts. Ich hatte es dann auch gerade noch rechtzeitig zurück in das Büro geschafft und konnte die Unterlagen verteilen.

Während der Besprechung hatte ich mich in eine Ecke des Büros gesetzt und schrieb in Stichpunkten mit und lernte dabei zugleich ein wenig mehr über die beiden schon laufenden Projekte. Diese sollten laut Aussage des Geschäftsführers fertig sein und eins der beiden befand sich auch schon bei einem potentiellen Kunden in der Erprobungsphase und es hatte sich auch schon ein weiterer potentieller Kunde gemeldet. Der überwiegende Teil der Besprechung drehte sich allerdings um das neue Projekt des Geschäftsführers dessen Entwicklung schon begonnen hatte. Nachdem er die Idee den Besuchern vorgestellt hatte fragte er diese nach ihrer Einschätzung. Die viel, zumindest war das meine Wahrnehmung, ein wenig verhalten aus und dem Geschäftsführer wurde geraten sich erstmal auf die beiden schon fertigen Projekte zu konzentrieren und zur vollständigen marktreife bringen. Dann kam das, was ich niemals in einer Besprechung mit externen Geldgebern von einem Geschäftsführer erwartet hätte. Nachdem er von den beiden externen Teilnehmern nun ihre Meinung gehört hatte fing er an die Schuld an der langsamen Entwicklung der neuen Software sowie die Stagnation der schon beiden fertigen Projekte auf die Gesellschafter abzuwälzen. Diese würden ihm nicht die nötige Hilfe zukommen lassen, die er zum aufbauen der Firma benötigen würde und würden immer nur negativ auf seine Ideen reagieren. In diesem Moment habe ich mir gewünscht, ich könnte mich in Luft auflösen und wäre nicht mehr in dieser Besprechung und auch die Besucher sahen nicht so wirklich glücklich mit der Situation und den Ausführungen des Geschäftsführers aus.

Nach der Besprechung fragte mich der Geschäftsführer, was ich von der Besprechung halten würde, die Besucher wären seiner Meinung nach auch sehr von der Idee des neuen Projekts überzeugt gewesen. Ich sagte ihm daraufhin offen, dass ich ihre Aussagen so verstanden hätte, dass sie zwar Potential in der neuen Idee sehen würden es aber zur Absicherung der Finanzierung der Firma logischer wäre die schon bestehenden Projekte abzusichern und so weit zu bringen, dass die Kosten der Firma über deren Betrieb gedeckt werden können. Für ihn war das allerdings nicht so gewesen und außerdem würden die anderen beiden Projekte ja schon laufen.

Da ich noch keinen richtigen Einblick in die Projekte hatte konnte ich seine Aussagen nicht wirklich bewerten und habe auch nicht weiter nachgefragt. In den nächsten Wochen sollte ich ja einen besseren Einblick in die Projekte und die Arbeit des Geschäftsführers erhalten.

Wie alles begann

Da ich in den letzten beiden Semestern nur noch relativ wenig Vorlesungen hatte, wollte ich dir Zeit nutzen und ein wenig als Werkstudent arbeiten. Mehr durch Zufall bin ich dann bei einem Startup gelandet welches Apps entwickelt. Im Vorstellungsgespräch mit dem Geschäftsführer wurden mir die beiden schon vorhandenen Apps vorgestellt sowie die dritte, sich noch in der Entwicklung befindliche App grob erklärt. Die beiden schon vorhandenen Apps waren für den sozialen- bzw. für den medizinischen Sektor gedacht und eher für einen bestimmten Kundenkreis konzipiert.

Was mich an diesem Gespräch schon etwas verwunderte war der Zustand des Büros. Das Team der Firma bestand zu dem Zeitpunkt aus dem Geschäftsführer und dem Entwicklungsleiter, einem Informatik Masterstudenten. Diese beide hatten es geschafft, dass das 25qm Büro aussah wie ein Handgranatenwurfstand und lies in mir schon den Verdacht aufkommen, dass eventuell auch die Strukturen innerhalb der Firma ähnlich sein könnten. Aus dem Grund wunderte es mich nicht, dass meine Aufgabe am Anfang erstmal an Unterstützung des Geschäftsführers sein sollte und im weiteren Verlauf sollte ich mich um die Projektplanung sowie die Strukturplanung für den Projektablauf kümmern und so den Entwicklungsleiter unterstützen.

Nach dem Gespräch haben wir dann vereinbart, dass ich in den folgenden zwei Wochen jeweils 2 Tage zum Probearbeiten vorbei komme und wir gucken ob wir zusammen arbeiten können.

Der erste Tag im Büro war dann auch schon ein kleiner Vorgeschmack wie das Jahr weitergehen sollte, denn ich wahr wie abgesprochen um 8 Uhr Morgens im Gebäudekomplex in dem sich das Büro befunden hat und wartete auf den Geschäftsführer. Wie der Satz allerdings schon vermuten lässt kam dieser nicht pünktlich. Als ich ihn dann um 8:30 anrief und mich erkundigen wollte ob unser Termin noch steht habe ich ihn geweckt. Er hatte völlig vergessen das wir für den Tag verabredet war und kam dann erst um 9:30 im Büro an. Der Büro Zustand hatte sich, innerhalb der einen Woche die seit dem Bewerbungsgespräch vergangen war, noch verschlimmert und auf dem Besprechungstisch lagen 2 große Stapel mit ungeöffneten Briefen und verschiedenen Dokumenten. Diese wurden mir mit den Worten “Ich habe es nicht so mit Ablagen und sortieren” übergeben und ich sollte Ordnung in die Unterlagen bringen. In diesen etwa 50 ungeöffneten Briefen sowie anderen Dokumenten befand sich auch private Post des Geschäftsführers sowie einige Strafzettel für überhöhte Geschwindigkeit und Blitzerfotos des Firmenwagens. Dazu sollte ich noch erwähnen, dass ich für jeden der Strafzettel mindestens schon eine Mahnung vorliegen hatte. Mit dem sortieren der Post und dem vorbereiten aller Überweisungsträger für Strafzettel sowie Rechnungen und Mahnungen war dann auch mein erster Arbeitstag gelaufen. Auf meinem Weg nach Hause war mir da schon klar, dass das aufbauen einer Struktur innerhalb des Büros nicht so leicht und einfach sein würde, wie ich es mir vorgestellt hatte und ich sollte mich nicht geirrt haben.